Bildausschnitt Fritz Ohle, Landesmuseum Detmold
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Themenübersicht zur Nachkriegszeit

In der Lippischen Post vom 5. Februar 1919 wurden die Kriegsteilnehmer aus dem gesamten Stadtgebiet aufgerufen, sich bei bestimmten Lemgoer Bürgern zu melden, wenn sie aus dem Kapital des Lemgoer Kriegerdankes bedacht werden wollten.

 

Was inzwischen aus dem Spenderbuch geworden ist, bleibt unklar. Wenn es tatsächlich existierte, ist es jedenfalls nicht mehr überliefert.

Zum 28. Februar 1915 bildeten die Kommunalverbände Stadt Barntrup, Amtsgemeinde Brake, Amtsgemeinde Hohenhausen, Amtsgemeinde Varenholz, Amtsgemeinde Sternberg-Barntrup und Stadt Lemgo eine Arbeitsgemeinschaft. Ziel war die einheitliche Regelung des Verbrauchs an Getreide und Mehl. Oberbürgermeister Höland begründete in einer Sitzung der Stadtverordnetenversammlung vom 23.02.1915 (Bericht in der Lippischen Post vom 24.2.1915) die Bildung dieser Arbeitsgemeinschaft damit, dass wenn Lemgo alleine handeln würde, es Nachteile hätte. Zudem könne man mit der Arbeitsgemeinschaft Kosten einsparen. Die zur Verteilung zu bringenden Brotmarken, die alleine zum Bezug von Mehl und Getreide berechtigten, sollten Gültigkeit im gesamten Bezirk der Arbeitsgemeinschaft haben. Einheitspreise für Brot und Mehl wurden festgesetzt.

 

Die Organisation der Arbeitsgemeinschaft wurde zunächst durch Ausschüsse geregelt. Die sechs beteiligten Kommunen bzw. Kommunalverbände entsandten jeweils drei Personen (insgesamt 18) in einen allgemeinen Ausschuss, in dem auch die Bürgermeister der Städte Lemgo und Barntrup sowie der Landrat des Verwaltungsamtes Brake Sitz und Stimme hatten. Daneben wurde ein engerer Ausschuss mit sechs Personen, darunter auch Adolf Sternheim aus Lemgo gebildet. Der engere Ausschuss sollte Änderungen bei Verordnungen und Anweisungen der Arbeitsgemeinschaft beschließen, die durch den weiteren Ausschuss bestätigt, aufgehoben oder korrigiert werden konnten. Für die Kontrolle des Geschäftsführers der Arbeitsgemeinschaft wurde ein dritter Ausschuss mit drei Personen gebildet, dem u. a. Lenzberg aus Lemgo angehörte. Zum Geschäftsführer wurde Adolf Sternheim ernannt.

 

Mit Wirkung vom 12. März 1915 (siehe Abdruck der Satzung in der Lippischen Post vom 16. März 1915) wurde die Arbeitsgemeinschaft durch landesherrliche Verordnung in Lippische Wirtschaftsgemeinschaft (LWG) umbenannt. Der bisherige Geschäftsführer Sternheim trat aufgrund anderer Verpflichtungen in der LWG zurück. Sein Nachfolger war Medizinalrat und Direktor der Lippischen Heil- und Pflegeanstalt Lindenhaus (seit 1906) Dr. Wilhelm Alter. Geschäftsstelle der LWG war in Brake, im sog. Lindenhaus.

 

Die LWG richtete vier Bezirke in ihrem Zuständigkeitbezirk ein, denen jeweils ein Lagerhalter vorstand. Für den Bezirk 1 (Stadt Lemgo und die Dorfsgemeinden Lieme, Leese, Entrup, Lüerdissen, Matorf, Brüntorf, Kirchheide, Weltsorf) war dies Adolf Sternheim. Bei diesen Lagerhaltern erfolgte der Ankauf von Brotgetreide und die Abgabe von Mehl.

 

Mit Beitritt der der Kommunalverbände Amt Schötmar, Amt Oerlinghausen, Amt Lage, Amt Detmold, Amt Horn, Stadt Salzuflen, Stadt Lage, Stadt Detmold und Stadt Horn zur LWG zum 24. bzw. 28. März 1915 erstreckte sie sich auf fast ganz Lippe, mit Ausnahme der beiden Verwaltungsämter Blomberg und Lipperode-Cappel sowie der Städte Blomberg und Schwalenberg. Die Zahl der Lagerhalter wurde auf fünf erhöht und die Bezirke erneut zugeschnitten.

 

Die Lagerhalter übernahmen das angekaufte Getreide und verteilten es auf Anweisung an die Bäcker und Konsumvereine. Die Verteilungsarbeit spielte sich dabei zwischen der LWG, den fünf Lagerhaltern, den Mühlen und den gewerblichen Bäckereien ab.

 

Am 28.9.1916 trat Dr. Alter vom Posten des Geschäftsführers aus "Gesundheitsrücksichten" zurück. An seine Stelle wurde Assessor Brandes gewählt, der sein neues Amt am 1.10.1916 antreten sollte. Der bisherige Vorsitzende der LWG, Geheimer Regierungsrat Kirchhof, ging in den Ruhestand, an seine Stelle rückte Dr. Alter auf (LP 30.9.1916).

 

Ob der der Wechsel in der Geschäftsführung der LWG mit der vorangegangenen Kritik an der Amtsführung Alters zu tun hat, ist unklar.

 

Nach Beschluss der Mitgliederversammlung der LWG vom 23. Juni 1917 wurde diese zum 1. Juli 1917 liquidiert (Staatsanzeiger 1917, S. 607). In der Versammlung des Verwaltungsrates der neuen LWG wurde zum Vorsitzenden des Vorstandes, der Prokurist und Hauptmann der Landwehr Künne aus Bad Salzuflen gewählt. Einer seiner Beisitzer wurde der Konsumverwalter Clemens Becker aus Lemgo (Staatsanzeiger 1917, S. 613). Der bisherige Vorsitzende Dr. Alter trat offensichtlich nicht mehr an und zog sich zurück.

 

Die LWG wurde damit auch strukturell Teil des lippischen Landesernährungsamtes, errichtet zum 7. März 1917, in Form der Geschäftsabteilung, neben einer Verwaltungs- und einer Wirtschaftsabteilung (vgl. Staatsanzeiger 1917, S. 237ff.). Nach einer in der Lippischen Post vom 4. Juli 1917 veröffentlichten Danksagung der lippischen Regierung an Alter scheint dieser in der Verwaltungs-Abteilung des Landesernäherungsamtes weiter mitgewirkt zu haben.

 

Nach einem Bericht der Lippischen Post vom 7. März 1918 wurde anscheinend auch über die Verlegung des Sitzes der LWG von Schloss Brake nach Lage diskutiert. Diese Verlegung scheint nicht stattgefunden zu haben.

 

Im Laufe der Zeit wuchsen die Aufgaben und Zuständigkeiten der LWG. Im letzten Kriegsjahr war sie für die "[...] Erfassung und Verteilung alles dessen, was Mensch und Vieh zum Leben nötig haben [...]" verantwortlich. Dazu zählten Getreide, Mehl, Brot, Hafer, Gerste. Ölfrüchte, Hülsenfrüchte, Gemüse und Obst, Kartoffeln, Futtermittel, Milch, Butter, Quark, Eier, Grieß, Graupen, Marmelade, Fleisch und sogar die Regelung des Verkehrs mit getragener Kleidung und Schuhen (Lippische Post, 22.2.1918). Fast täglich wurden in den Zeitungen neue Verordnungen, Bekanntmachungen und Erlasse der LWG veröffentlicht. Es fragt sich in der Tat, inwieweit diese Anordnungen tatsächlich befolgt wurden bzw. befolgt werden konnten.

 

Im Geschäftsjahr 1916/1917 machte die LWG einen Umsatz von 42 Millionen Mark (nach der Lippischen Post vom 1. März 1916 im Jahr zuvor rund 30 Millionen Mark). Verglichen mit dem Haushaltsetat der Alten Hansestadt Lemgo mit einem Ausgabevolumen von im Durchschnitt 300.000 Mark (zwischen 1914 und 1918, vgl. StaL A 499)  eine beachtliche Summe, die einen Eindruck von der Größe dieser Organisation vermittelt.

 

Die LWG bestand auch noch nach Ende des Weltkrieges fort und wurde 1921 mit Auflösung des Landesernäherungsamtes, in die Geschäftsabteilung der neu gegründeten Landesgetreidestelle umgewandelt.

Ende März 1919 wurden beide Lazarette im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung aufgelöst. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten 2067 verwundete und kranke Soldaten diese Einrichtungen durchlaufen (LP, 20.3.1919). Zum Abschied wurden den Entlassenen noch Zigarren geschenkt, nach heutiger Sichtweise sicher kein passendes Geschenk für Kranke oder gerade Gesundende!

Auf der ersten Generalversammlung nach Kriegsende zog der Vorsitzende Lehrer Fleege Bilanz. 12 Tote hätte der Verein zu beklagen. In der Festschrift zum 150jährigen Jubiläum des TV Lemgo ist dagegen die Rede von 18 Toten. Fleege betonte nochmal die alltäglichen Schwieirigkeiten bei der Aufrechterhaltung des Turnbetriebes während des Krieges. Die Frauenabteilung mit 25 Turnerinnen fand besondere Erwähnung. Die Turnhalle der Bürgerschule konnte man noch nicht wieder nutzen (dort waren während des Krieges Soldaten der Garnison untergebracht), so dass man weiter in der Turnhalle des Gymnasiums bleiben musste.

1917 (LP 20.1.1917) waren dreiviertel aller Mitglieder „zur Fahne gerufen“, so dass anscheinend kaum noch ein Vereinsleben stattfand. Die noch in der Heimatverbliebenen Mitglieder brachten nicht das notwendige Interesse auf „die bisherigen Errungenschaften und Leistungen der Kriegervereine auf der Höhe zu erhalten, sie zu steigern, zu fördern“; es fehlte an Geld und aktiver Mitarbeit. Neue Mitglieder wurden nicht aufgenommen. Die Mitgliederzahl betrug 364. Drei Kameraden waren gefallen, 185 Mann waren eingezogen. Vorträge stießen nicht auf die erhoffte Resonanz. Unterstützungen der Krieger-Familien stellten einen Schwerpunkt der Arbeit dar. Später wurde auch die Bibliothek des Kriegervereins durch Zukauf vermehrt sowie Lichtbildervorträge geplant.

 

Der Mitgliederbestand des Vereins zum 1.2.1918 betrug 341 Männer (im Vorjahr: 356), gefallen waren zwei Männer (Leutnant Schirneker und Landsturmmann Davidsohn). Im Feld befanden sich 196 Kameraden. Neuaufnahmen wurden nicht verzeichnet. Veranstaltungen zu Gunsten des Kriegerdankes (Filmvorführung, Konzert) wurden durchgeführt und die Mitglieder zu verstärkter Werbung für das Projekt angehalten. Zwischenzeitlich wurden die ohnehin nur schwach besuchten Versammlungen ganz ausgesetzt. Erst nach dem Krieg war wieder eine Teilnehmerzahl von 70 Personen erreicht (LP, 18.2.1919). Die Verteilung des Kriegerdankes war dabei eine wesentliche Nachkriegsaufgabe, 723 Anträge waren gestellt worden.

 

 

Der Schulalltag war durch den Lehrermangel geprägt. Die jüngeren Lehrer dienten als Soldaten, übrig blieben die alten und/oder untauglichen Männer.

Küster Knappmeier berichtet in seiner Schulchronik rückblickend über seine Arbeitsbelastungen:

Während des Weltkrieges, vom 1. August 1914 bis 14. Januar 1919 war dem hiesi-gen 1. Lehrer die Vertretung der 2. Schulstelle übertragen. Er hat in dieser Zeit wöchentlich 42 – 45 Unterrichtsstunden erteilt, sämtliche Mehrstunden ohne Entgelt. Gott hat wunderbar geholfen. Ihm sei Dank für allen Segen! Durch die Kriegsereignisse und Erlebnisse waren die Kinder stets lebhaft angeregt. Der Lehrer hat viel Freude erlebt an der Folgsamkeit, dem Fleiß selbst unter schwierigen Verhältnissen – Arbeitermangel – Lichtnot – zuletzt Krankheiten (Grippe) -, besonders aber an dem ernsten, gottesfürchtigen Sinn seiner Kinder. Es waren und es werden bleiben unvergeßliche Zeiten, diese 4 Kriegsjahre. Möchten Ewigkeitswerte in ihnen genommen sein für Herz und Gemüt, für Geist und Charakter der Schüler!“