Bildausschnitt Fritz Ohle, Landesmuseum Detmold
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Frau Ohle im Krieg

Bei den Soldaten des Ersten Weltkrieges, die als Wehrpflichtige an die Front geschickt wurden, war naturgemäß das Bedürfnis, Kontakt mit der Familie zu Hause zu halten und auch aus der Ferne „nach dem Rechten“ zu schauen, groß. Dementsprechend war auch das Aufkommen der Feldpost. In den etwa 800 Feldpoststellen, wurden täglich (!) etwa 19 Millionen Sendungen von der Front in die Heimat und umgekehrt bearbeitet, wozu etwa 8000 Postbeamte im Einsatz waren.

Eine Zensur der Feldpost fand statt, wenn auch in deutlich geringerem Maße bei den Briefen und Postkarten von der Heimatfront.

In der Lippischen Post vom 31. August 1914 wurden für die Bevölkerung die wichtigsten Bestimmungen für die Feldpost aufgeführt. Demnach wurden gewöhnliche Briefe bis 50 g und Postkarten portofrei versandt, was vielleicht auch die rege Nutzung dieses Mediums erklärt. Die Mobilität des Heeres bedingte eine genaue Bezeichnung des Adressaten nach Dienstgrad, Namen und Truppenteil, damit die Post ihn auch tatsächlich am aktuellen Standort erreichte. Der Absender musste zudem immer angegeben werden. 

In der Lemgoer Familie Ohle waren seit dem 18. Jahrhundert Buchbinder zunächst vorherrschend. Mehrere Generationen betrieben dieses Handwerk. Fritz (Ernst Alexander) Ohle (1881 – 1962) war der Erste aus der Familie, der kurz nach 1900 zusätzlich mit dem Fotografenhandwerk begann. Dafür richtete er 1905 im Garten des Hauses Haferstraße 23 in Lemgo ein Fotoatelier ein und legte 1914 die Fotografenmeisterprüfung ab. Der Bereich Fotografie (Fotoaufnahmen, Fotoapparate und- zubehör) nahm einen immer größeren Raum ein. Spätestens nach 1922 war Fritz Ohle nur noch Fotograf.

Fritz Ohle heiratete am 12.11.1909 in Lemgo Lina (Luise Katharine) Ferke (1883 in Lemgo geboren, 1977 in Dörentrup verstorben).  Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: Fritz Karl Ernst (geb. 1910), Karl Ernst Christian August (geb. 1917) und Christa Alam Anna Marie Johanne Käthe (geb. 1927).

In Lemgoer Privatbesitz (Hartmut Walter) befinden sich die Feldpostbriefe zwischen Fritz und Lina Ohle aus dem Ersten Weltkrieg. Neben den Briefen und Postkarten, die Fritz Ohle nach Hause zu seiner Frau schrieb, hat sich auch die Korrespondenz Lina Ohles an ihren Mann an der Front erhalten, ein seltener Glücksfall. Dem Stadtarchiv wurde die Feldpost für das Projekt zur Verfügung gestellt. Eine Digitalisierung des Bestandes ist angestrebt.

In ihren Schreiben an den Mann an der Front schildert Lina Ohle ihre Lage in Lemgo, die Sorge um das Geschäft, die Familie und das Neugeborene, die Angst um ihren Mann und die alltäglichen Probleme. Die Briefe gewähren einen unmittelbaren Einblick in die Lebenswelt einer (selbstständigen) Ehefrau während des Ersten Weltkrieges.

Die Feldpostbriefe datieren zwischen den Jahren 1915 und 1918. Hier sollen einige Briefe und Postkarten Lina Ohles in Auszügen wiedergegeben werden.

Die Briefe und Postkarten Fritz Ohles von der Front sind hier nicht ausgewählt, da sie thematisch nicht zum Projekt passen. Wer sich trotzdem für Feldpostbriefe von der Kriegsfront interessiert, sei auf die digital publizierte und transkribierte Feldpost des aus Brake stammenden Paul Vietmeier hingewiesen.

26.7.1915

[…] Heute war ein verwundeter Unteroffizier hier, der wollte die Brosche abholen für 11 Mark. Du hattest sie doch gleich bestellt nicht wahr. Sie ist noch nicht angekommen, länger wie bis morgen, will er nicht warten. Schade, daß wir keine Hülfe haben, wir hätten dann alles weiterführen können. […]

7.8.1915

[…] Karl hatte nach Johanne heute geschrieben, daß noch mal ein Splitter herausgeschnitten ist, ach was hat der arme Junge wohl ausgehalten. Gott gebe doch, daß Karl einen gesunden Arm wiederkriegt u. daß die Schneiderei doch bald vorbei ist. […] Wenn du nur nicht ins Feld brauchst. Gott der Herr schenke uns bald den ersehnten Frieden. Ob die Russen wohl bald damit fertig sind. Gott gebe es. [….]

8.8.1915

[…] […] Es ist hier jetzt merklich still. Soldaten sind noch nicht wieder hier. Frau Kuhlmann […] sagte, ihr Mann hätte gehört, es kämen hier keine wieder hin. Das wäre ja ein gutes Zeichen. Gott gebe auch, daß dieser Krieg bald vorbei ist. […]

18.8.1915

[…] Karl kommt leider nicht, wir sind dort in Ratingen zum Arzt gewesen u. haben gefragt aber Karl muß sich an die Kompagnie wenden, weil die dort ist. [….] Seinen Arm haben wir auch gesehen, sah schrecklich aus, wo geschnitten war u. auch oberhalb der alten Narbe die frische große wo man 1 Fünfmarkstück hat hereinlegen können. Karl glaubt nicht, daß er ins Feld noch mal herein kommt. Heute wieder herrliche Siegesnachrichten Kowno genommen. Gott sei Lob u. Dank, u. dann auch wenn man an die armen Verwundeten denkt. […]

19.8.1915

[…] In Russland geht es mächtig vorwärts. Der l. Gott gebe, daß es mit ihnen bald alle ist, o wenn der liebe Friede doch bald wieder einkehrte. […] Hugo Scheidt hat auch Gestellungsbefehl erhalten. In Rehme werden sie nächste Woche bis 42 eingezogen bis 46 käme bald hinterher. Alma ist vorhin gekommen. Die würden zum Etappendienst 3 Wochen ausgebildet u. dann weiter geschickt. Wo du wohl hinkommst. Der liebe Gott hat es schon längst beschlossen. Hoffentlich kommst du gesund wieder. […]

20.8.1915

[…] Was gibt das jetzt für Aufregungen. O diese herrlichen Siege u. Geschütze, dem Herrn sei Dank dafür. […]

21.8.1915

[…] Es ist doch manchmal gräßlich, wenn man allein ist u. keinen hat der es versteht. In der Dunkelkammer bin ich fast jeden Tag etwas beschäftigt. Spaß macht es mir jetzt ja, aber schöner ist es doch wenn du da bist. […]

23.8.1915

[…] Bist du eigentlich felddienstfähig? Kommst du zur Arbeiterkolonne oder Besatzung? Lieber Fritz, wir wollen es dem Herrn anheimstellen was er mit dir vorhat, wir müssen uns ihm ganz anbefehlen er allein weiß, was gut für uns ist. Schwer wird es dir sicher fallen aber mit Gottes Hülfe wirst du es auch aushalten u… gesund wieder zurückkehren. Wir dürfen das Beten nicht vergessen lieber Fritz u. dann sind wir viel ruhiger u. zuversichtlicher. […]

1.11.1915

[…] Gott sei Lob u. Dank, daß wir im Laden so gut zu tun haben. Hoffentlich ist der Krieg bald vorbei u. mein l. Fritz kommt dann wieder. […]

8.11.1915

[…] Heute ist im Laden allerlei zu tun, dann macht es viel Spaß. Gott sei Dank dafür. Ja. Lieber Fritz, wir können Gott nicht genug danken für seine große Güte, daß Du dort bist u. ich das Geschäft hier soweit fortführen kann. […]

10.11.1915

[…] Gott sei Lob u. Dank, daß Du wieder Garnisondienstfähig geworden bist, hoffentlich bleibst du dort. Als gestern dein Brief kam, worin Du schriebst daß Ihr wieder untersucht würdet, bekam ich es natürlich mit der Angst aber gleich wurde ich ruhiger. […] Heute sind hier über 500 Mann ausgerückt, erst mal hinter die Front, 11 Wochen sind sie jetzt ausgebildet. Kuhlmann aus Luhe ist auch mit ausgerückt. Wilhelm Gerbdering ist in die Vogesen gekommen, hoffentlich kehrt er gesund zurück. Heelmke ist hier im Krankenhause gestorben. Ich sagte Dir ja schon, daß er krank war, er sah ja auch zu jämmerlich aius. Hier passieren schreckliche Dinge, wie man so hört. Auch mit Hemke. Grete Ernst sprach gestern davon, es muß ja fürchterlich sein. Gut, daß Du nicht hier bist, sonst wärst Du sicher felddienstfähig. […]

15.11.1915

[…] Ich bin heute so komisch, ich kann mich nicht so recht ausdrücken. Ein Transport 250 kamen heute wieder fort. […] Die alte Frau Blübaum erzählte mir, daß Köhne heute geschrieben, sie lägen bei Riga von abends 5 bis morgens müßten sie arbeiten, tags über lägen sie in Unterständen, zu Essen gäbe es sehr wenig. O, lieber Fritz wie gnädig ist der liebe Gott Dir gewesen, wenn Du damals mit heraus gekommen wärst, was für Strapazen u. Entbehrungen hättest Du schon durchmachen müssen. […] Gustav Kuhlmann ist im gefangenenlager in Uchte, er muß die franz. U. engl. Briefe lesen. […]

23.11.1915

[…] Im Laden ist allerlei zu tun, ich komme kaum mal zum Sitzen. Heute kommen wieder viel Soldaten 1500. […] Gott der Herr gebe uns bald Frieden, daß dieses schreckliche Morden doch bald ein Ende hat u. Ihr alle gesund wieder zurück kehrt. […]

3.12.1915

[…] Eben war Julius Winter hier, er kam vom Bahnhof, er hat Lehrer Hofmann gesehn, der mit dem Zuge gekommen ist. Traurig sähe der Mensch aus, seine Frau u. Mutter hätten ihn abgeholt. Total entstellt. […] Lieber Fritz, meinst du wirklich, daß ich mit dem Pelz noch warten soll, ich möchte aber so gern jetzt einen haben. […] Nerz möchte ich auch wirklich nicht so gern haben. Das ist zu teuer, das schrieb ich Dir ja auch schon. Marie Schmuck fand das schwarze auch sehr fein. Johanne bekommt von Mutter u. karl auch eine Garnitur. Es wäre ja herrlich wenn Du lieber Fritz sie mit aussuchen könntest. Ich will Dir nun mal den Vorschlag machen, ich suche mir eine aus u. wenn sie Dir nicht gefällt, dann muß ich sie wieder umtauschen können. Daß Du nicht gleich ja sagst, wußte ich schon, aber wenn Johanne nun auch eine bekommt, möchte ich doch nicht zurückstehen. Das willst Du doch auch nicht, nicht wahr. Mit meinen Postkarten machen habe ich soviel doch auch schon verdient u. ich glaube [durchgestrichen: nicht], daß ich so sehr anspruchsvoll nicht bin. Ich spare u. richte doch alles gut ein. […]

26.12.1915

[…] Fritzchen freute sich sich sehr als er die schönen Sachen u. den Baum sah. Das Schneewittchenhaus, Schießgewehr von Tante Halle, Koppel mit Feldflasche u. Becher von tante Johanne, Anzug Feldlazarett mit Krankenschwester u.s.w. das Knusperhäuschen vom Neuentore u. die Soldatenmütze von Onkel August haben ihn viel Spaß gemacht. […] Kürzlich war ein Soldat Verwundeter hier der meinte, es läge an uns, wir Menschen wären noch zu lau, wir beteten wen wir uns in Not u. dergl. befänden, wenn das vorüber wäre hörten wir auch damit wieder auf. Ich glaube fest daß das auch stimmt, man merkt es an sich selbst. Möchten wir doch im neuen Jahre das recht Beten lernen u. nicht aufhören. […]

27.12.1915

[…] Wir gingen 1. Festtag mit Fritzchen bis oben auf die Luerheide wo die Soldaten Schützengraben gemacht hatten, ei wie war das schön, nicht wahr? Doch wir müssen immer wieder denken, daß wir noch nichts auszustehen haben wenn wir auch getrennt sind. […] Im Laden war heute u. gestern auch noch allerlei zu tun, zus. Ungefähr gut 60.-  Das Geld ist mir diesen Monat auch so durch die Finger geflogen, ich weiß nicht wie, alle Eßsachen sind so teuer u. man wollte auch gerne manch einen etwas Gutes tun […] Die Aufnahme von L. Schmuck ihren Jungen habe ich bei Schmucks in der Eckstube oben gemacht, ich dachte natürlich erst, daß es wohl nichts geworden wäre, aber es war doch ganz nett. […]

09.01.1916

[…] Ja, lieber Fritz, du hast große Ursache, dem l. Gott recht dankbar zu sein, als uns das keinen Tag vergessen, denn sieh mal, wie gut hast du es doch gegen die armen Soldaten in Frankreich, die halb im Wasser stecken. […] Wie du weg gingst, da dachte ich doch nicht, daß es auch in unserm Geschäfte so gut weiter ging, ist das nicht Gnade, gorße Gnade von Gott. Und womit haben wir das verdient. Wenn wir gerade auch keine schlechte[sic] Menschen sind, die nicht rauben u. stehlen, aber wir sind doch die reinsten Weltmenschen u. nicht wahr mein lieber Fritz, das soll u. muß anders werden, wenn du wieder hier bist dann wollen wir uns auch mehr an die die Kirche u. Gottes Wort halten. […]

17.1.1916

[…] Hier sind einige sehr schwere Trauerfälle passiert. Vorige Woche ist Frau Oberfranke geb. Kuhlmann gestorben, der Mann ist in Russland, sie haben dorthin telegraphiert nun ist er gestern gekommen, nichts ahnend, In Lage kommt jemand auf ihn zu u. drückt ihn sein Beiland  aus, er weiß von nichts […] Es ist jetzt Siegesfeier auf dem Marktplatz, vorhin spielten sie nun danket alle Gott, dazu leuteten grade die Glocken zur Kirche, man hätte laut weinen können. Die armen Menschen da draußen was müssen die alle durchmachen u. entbehren. O wenn der liebe Gott doch bald ein Ende machte. Wir können nie dankbar genug sein, daß der Krieg in feindesland ist u. nicht in unserm Vaterlande. Was wäre dann wohl aus uns geworden. Gott gebe, daß du nicht noch hinaus brauchst. […] 

18.1.1916

[…] Auch bei Frau Ww. Reese Echternstr. ist nachher eingebrochen. 2 Schinken u. viele Würste gestohlen, die Frau hat 4 oder 5 Soldaten.  […]

19.1.1916

[…] Ich bin heute nachmittag ganz komisch zu mute, ich könnte immer weinen. Es passiert jetzt auch so vielerlei Elend u. Schweres, wenn man so an alles denkt ist es einen furchtbar schwer. […]

14.2.1916

[…] Hier sind jetzt alle junge 18jährige Soldaten hingekommen. Wann mag wohl der Krieg vorbei sein. Hoffentlich gehört Verdun bald uns. […]

4.3.1916

[…] Wie ist es mit der Kriegsanleihe? Ich muß doch wohl noch zeichnen, das ist doch nicht mehr wie recht, das wir dadurch unserm Vaterlande dienen. Wie furchtbar schwer müssen im Westen doch die Kämpfe sein. Gott der Herr sei mit uns. Er helfe mit streiten u. gebe uns bald den Frieden. 

5.3.1916

[…] Martin Kuhlmann hat heute geschrieben, dass sie so schrecklich mit den Engländern im Kampf gewesen wären, er schrieb, sie hätten nicht gedacht, dass sie wieder heraus gekommen wären, so entsetzlich wäre es gewesen, sie hätten nachher alle ihrem Gott [gedankt] dass er sie behütet hätte. Vor 3 Wochen ist er doch erst heraus gekommen. W. Ernst ist auch gleich schön in Frankreich empfangen wegen einen franz. Fesselballon hätte der Zug ¾ Stunde warten müssen, passiert wäre aber nichts. […]

6.3.1916 Soldin

[…] Es tut mir sehr leid, daß die schönen Messing u. Kupfersachen alle weggegeben werden müssen. Hier sind auch große mengen voll abgeliefert, wiebald ist alles wieder aufgebraucht. […] Daß M. Kuhlmann auch schon an der Front ist ghet ja furchtbar schnell. Was sind das aber für [durchgestrichen: junge] Jungens als Vaterlandsverteidiger. Es wird doch alles daran gesetzt um endlich den Sieg zu erringen. […]

7.3.1916 

[…] , nun müssen wir mal sehen, daß der Maurer uns den Waschkessel einmauert, der Kupferne muß nun bald weg gebracht werden. Wir finden immer noch Kupfer u. Messing in den Ecken. Der Gedanke ist doch schrecklich alles nur dazu um Menschen tot zu schießen. Wenn es doch nur erst vorbei wäre. Soll ich wirklich keine Kriegsanleihe mehr zeichnen? Wir können doch unser Geld wirklich nirgends besser unterbringen. Und sollten wir wirklich verlieren was wir ja doch nicht hoffen, dann sind wir unser Geld auch sowie so loswas in den Kassen steht. Vielleicht zeichnen wir noch 3 Was meinst du? Der liebe Gott giebt uns doch wohl bald den ersehnten Frieden. […]

7.3.1916

[…] Schreib doch wegen der Kriegsanleihe. Mutter kann auch noch 3000 zeichnen. Krull will ihr das Geld auszahlen der Rest bleibt dann noch stehen. Es ist doch unsere heilige Pflicht dass wir dadurch unsere Feinde auch schlagen.[…]

3.4.1916 

[…]Was die Engländer nun wohl Angst haben für unsere Zeppeline, nun schon 3 Nächte auf der Reihe haben sie sie besucht. Gott gebe dasses bald genug ist. Wann verdun wohl fällt, oder ob unsere es überhaupt wohl kriegen? […]

18.4.1916

[…] Heute steht wieder in der Zeitung dass kein Fleisch u. Fleischwaren aus Lippe verschickt werden dürfte, ob das an Soldaten nun auch damit gemeint ist, muss ich mich erst mal nach erkundigen, hoffentlich nicht sonst dürfte ich Dir ja nichts mehr schicken, das wäre doch zu ärgerlich. […]

29.6.1916

[…] Diese Tage ist es bedeutend stiller im Laden, eigentlich nur Kleinigkeiten. Ich habe bei Bollmann jetzt, wo alles so teuer ist, weniger bestellt u. noch an Pohlmeyer geschrieben, sie sollten mir Preise einschicken vielleicht ist der noch etwas billiger. […]

3.7.1916

[…] Hier sollten ja schon in mehreren Häusern Haussuchungen gewesen die unheimlich viel Schinken u. Dauerware eingeheimst hatten. Ob alles wahr ist was gesprochen ist glaube ich nicht. […] Im Westen u. Osten ist es fürchterlich. Gott gebe dass dieses das letzte Völkerringen ist. […] 

12.7.1916

[…] Gestern sind 46 Verwundete gekommen von der Somme, soll fürchterlich dort sein. Gott gebe, dass Du das Schreckliche nicht siehst […]

23.6.1917

[…] Auch haben hier heute noch mal von ½ 12 – 12 sämtliche Kirchenglocken geläutet um Abschied zu nehmen. Wie schön u. herrlich lautete das immer aber heute lautete es so schmerzlich,, diese Woche wurden sie wohl herunter geholt um dem Vaterlande zu dienen. Unsere Kirchenglocken behalten wir wohl ebenso bleibt eine wohl in jeder Kirche. Ach wenn der Krieg doch erst zu Ende ware. […]

22.7.1917

[…] Wenn ich zuweilen unsern kl. Liebling ansehe u. denke dann dass Du, sein vater, ihn noch nicht mal gesehen hast u. wird am 28. schon 5 Monat alt, dann ist es mir oft furchtbar schwer u. man wird ganz traurig. […]

29.7.1917

[…] Ach, wenn man das alles geahnt hätte. Vater sagt immer, die Leute wären wohl verrückt, dass sie solch hohe Preise bezahlten aber wenn man nichts hat kann man auch nichts verkaufen. […]

1.1.1918 

[…] Wie herrlich heute am Anfang des neuen Jahres die freudige Nachricht, dass auch unser grösster Feind England das deutsche Friedensangebot wohl annehmen wird. […] Gott erhalte unsern Kaiser u. Hindenburg auch im neuen Jahre.  […] Gestern morgen ist das Militär ausgezogen, beim Schwanenweiher ist ein Stein zur Erinnerung an die 67. gesetzt. […]

4.1.1918

[…] Hier geht [gestrichen: es] abends um 9 Uhr das Elektrische aus, da sitzen wir im Dunkeln. […]

20.1.1918

[…] Rudolf Rehme ist vorige Woche auch hier beerdigt, die Leiche ist auch aus Frankreich geholt, er ist im September gefallen. Ach wie so manche Wunde reisst dieser Krieg doch. […]

11.3.1918

[…] Morgen muss Ernst Eldagsen auch Soldat werden. Solche Kinder. Hoffentlich kommen die nicht mehr mit in die Front. […]

18.3.1918

[…] Gestern abend hielt eine Dame Frau Ly van Brackel einen Vortrag Zuchthäuslerinn 5553 als solche ist sie jetzt in Frankreich gewesen u. ist dort ganz entsetzlich behandelt, dass ein Mensch so etwas aushalten kann, diese scheusslichen Franzosen. Gott gebe dass es im Westen nicht zu schlimm wird u. allzu lange dauert. […]

27.3.1918

[…] Mit Kriegsanleihezeichnen warte ich natürlich bis aufs Äusterste hoffentlich kannst du es noch tun. Die Siege im Westen sind doch herrlich, dass der Feind so geschlagen würde hätte man nicht gedacht. […]

12.5.1918

[…] Hier passiert so allerlei Stehlen Einbrechen, Sich aufhängen u.s.w. ist an der Tagesordnung, es ist jetzt zu schrecklich. Hoffentlich ist der Krieg bald zu Ende, man merkt es zwar noch nicht. Gott gebe, dass es bald vorbei ist. […]